Jahrestagung der Priester, Diakone und pastoralen Mitarbeiter/-innen in den kroatischen katholischen Gemeinden und Missionen in Deutschland und Westeuropa vom 7. bis 10. Oktober 2019 in Vierzehnheiligen

Grußwort Dr. Lukas Schreiber, Nationaldirektor für die Ausländerseelsorge

Exzellenz, sehr geehrter Herr Weihbischof Pero Sudar, verehrter Herr Delegat Pfarrer Komadina, lieber Ivica, sehr geehrter Herr Nationaldirektor Dr. Tomislav Markić, sehr geehrte Priester, Diakone und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der kroatischsprachigen Seelsorge in Deutschland, ich danke Ihnen herzlich für die freundliche Einladung, und ich bin sehr froh, dass ich heute bei Ihrer Jahrestagung hier in Vierzehnheiligen dabei sein kann, dass ich die Gelegenheit habe Sie kennen zu lernen und dass ich auch ein paar Worte an Sie richten darf.

Da ich immer noch neu bin im Amt des Nationaldirektors für die Ausländerseelsorge, gestatten Sie mir, dass ich mich kurz vorstelle. Mein Name ist Lukas Schreiber, ich bin 49 Jahre alt, bin verheiratet und habe vier Kinder im Alter zwischen 21 und 10 Jahren. Seit November 2005 arbeite ich im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, zuerst im Bereich Pastoral und dann zwölf Jahre lang als Referent für Katholische Schulen im Bereich Glaube und Bildung. Von 2003 bis 2005 habe ich in Köln im Büro des XX. Weltjugendtags gearbeitet, der im Sommer 2005 in Köln stattfand. Ich habe in Münster Theologie und Soziologie studiert und anschließend in Koblenz in Soziologie promoviert. In meiner Freizeit engagiere ich mich in der Schönstatt-Bewegung. Meine Frau und ich gehören seit acht Jahren zur Leitung des Schönstatt-Familienbundes in Deutschland, seit 2017 sind wir die hauptverantwortliche Leitungsfamilie.

Fast ein Jahr bin ich jetzt in der Funktion des Nationaldirektors. Vieles ist immer noch neu und unbekannt für mich. Dazu gehört auch die kroatische Sprache. Ich konnte in dem vergangenen Jahr schon sehr viel aufnehmen, erfahren und lernen. Eines ist dabei in mir ganz besonders gewachsen: eine große Wertschätzung gegenüber dem persönlichen Einsatz aller muttersprachlicher Seelsorger, die in Deutschland tätig sind! Dass Sie aus Liebe zu Christus – häufig über einen Zeitraum von vielen Jahren – ins Ausland gehen, um dort mit großem Engagement seelsorglich tätig zu sein und das Evangelium zu verkünden, begeistert mich! An dieser Stelle möchte ich Ihnen allen ein herzliches Wort des Dankes sagen für Ihren Dienst in den Diözesen Deutschlands. Diesen Dank darf ich Ihnen auch vom Vorsitzenden der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Herrn Erzbischof Dr. Stefan Heße aus Hamburg, ausrichten. Liebe Verantwortliche für die kroatischsprachige Seelsorge in Deutschland, meine Aufgabe als Nationaldirektor sehe ich vor allem darin, Sie in Ihrer Arbeit zu unterstützen. Ich möchte im Rahmen meiner Möglichkeiten dazu beitragen, dass die kroatischsprachige Seelsorge immer ihren richtigen Platz und Stellenwert im Gesamtgefüge der Seelsorge der katholischen Kirche in Deutschland hat.

Die internationale, weltweite Verbundenheit von Gläubigen in der einen katholischen Kirche ist ein großer Reichtum, ein Geschenk für die Menschheit in unserer Zeit. Denn im Zuge der Globalisierung rücken die Menschen weltweit nicht nur näher zusammen, sondern Konflikte zwischen Nationen, Kulturen und Religionen treten auch deutlicher hervor. Da hat die weltumspannende katholische Kirche einen einheitsstiftenden Auftrag. Gerade unsere muttersprachlichen Gemeinden leisten hier in ihrer alltäglichen Kleinarbeit sehr viel. Sie bauen Brücken über die Grenzen von Sprachen, Nationen und Mentalitäten hinweg. Sehr dankbar bin ich, dass der Delegat, Pfr. Ivica Komadina, in einer Arbeitsgruppe mitarbeitet, die die Präsenz der muttersprachlichen Gemeinden im Rahmen des Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt vorbereitet. Meine Hoffnung ist, dass wir bei diesem Kirchentag in der säkularen Gesellschaft in Deutschland als Christen ein eindrucksvolles Zeugnis von internationaler Gemeinschaft und von einem frohen, hoffnungsvollen weltumspannenden Miteinander geben werden.

Dabei ist mit dem Zeugnis von Freude und Hoffnung im Moment durchaus eine große Herausforderung verbunden. Denn die Kirche steht in schweren Zeiten, ja die Kirche befindet sich in einer Zeit der Krise. Die ungeheuerlichen Verbrechen sexuellen Missbrauchs im Raum der Kirche sind dabei nur ein Teil, vielleicht auch ein Symptom. Die eigentliche Krise der Kirche in unserer Zeit scheint mir eine Gotteskrise zu sein. Die Menschen unserer Zeit – ob sie katholisch sind oder nicht – haben häufig keine persönliche Beziehung zu Gott. Viele Menschen haben keine Vorstellung davon, welche Bedeutung Gott für sie persönlich und ihr Leben hat. Deswegen sind wir in der Kirche herausgefordert, den modernen Menschen Wege zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus Christus zu erschließen. Darin scheint mir die riesige Herausforderung für die Kirche in unserer Zeit zu liegen: Gelingt es, Menschen persönlich mit dem dreifaltigen Gott in Kontakt zu bringen? Und können wir ganz konkrete Hilfen anbieten, wie es gehen kann, ein alltägliches Leben in unserer modernen, säkularen Welt aus dieser Beziehung mit Gott heraus zu gestalten?

Papst Franziskus wird nicht müde, auf die Evangelisierung als die primäre Aufgabe der Kirche hinzuweisen. In seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ vom 29. Juni 2019 schreibt der Papst: „Die so gelebte Evangelisierung ist keine Taktik kirchlicher Neupositionierung in der Welt von heute, oder kein Akt der Eroberung, der Dominanz oder territorialen Erweiterung; sie ist keine ‚Retusche‘, die die Kirche an den Zeitgeist anpasst, sie aber ihre Originalität und ihre prophetische Sendung verlieren lässt.“ (S. 10) Vielmehr sei die Evangelisierung „ein Weg der Jüngerschaft in Antwort auf die Liebe zu Dem, der uns zuerst geliebt hat (vgl. 1 Joh 4,19); ein Weg also, der einen Glauben ermöglicht, der mit Freude gelebt, erfahren, gefeiert und bezeugt wird. Die Evangelisierung führt uns dazu, die Freude am Evangelium wiederzugewinnen, die Freude, Christen zu sein.“ (Ebd.) Soweit der Papst.

Liebe Verantwortliche für die kroatischsprachige Seelsorge, die Aufgaben, vor der die Kirche heute steht, sind riesig, und es gibt viel zu tun. Aber wir brauchen keine Sorge zu haben, denn wir dürfen auf die Führung des Heiligen Geistes vertrauen. Ein großartiges Zeichen, wie der Heilige Geist wirkt, ist für mich die Unterschiedlichkeit der Traditionen und des Brauchtums im kirchlichen Leben, die in den vielen verschiedenen muttersprachlichen Missionen zum Ausdruck kommt. Alle sind verschieden, und doch sind alle eins, weil wir alle einen Vater haben und weil wir alle Glieder des einen Christus sind. Dass wir alle und die Gläubigen in unserem Land diese Einheit in Christus, die größer ist als alle nationalen und kulturellen Unterschiede, immer wieder lebendig und mit Freude erleben können, das wünsche ich uns allen. Denn so können wir als Kirche wirklich, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert hat, zum „Zeichen und Werkzeug … für die Einheit der ganzen Menschheit“ (LG 1) werden.

Liebe Verantwortliche für die kroatischsprachige Seelsorge, ich wünsche Ihnen einen guten und segensreichen Verlauf Ihrer Jahrestagung! Und ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit mit Ihnen im Dienst an den kroatischsprachigen Gläubigen in unserem Land, im Dienst an der Kirche und vor allem im Dienst an unserem Herrn Jesus Christus. Vielen Dank!

Dr. Lukas Schreiber, Nationaldirektor für die Ausländerseelsorge